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spem in alium

40 stimmen. 8 chöre. 2 sänger.

Die 40stimmige Motette „spem in alium“ von Thomas Tallis (ca. 1505-1585) gehört ohne Frage zu den beeindruckendsten Kompositionen der Musikgeschichte, gleichzeitig aber auch zu den am schwierigsten aufführbaren: 40 Sänger, deren Stimmen sich in idealem Verhältnis zueinander mischen und zu einem großen Klanggebilde verschmelzen, existieren vielleicht gar nicht.

multiple voices stellt sich der gesanglichen und mentalen Herausforderung, dieses monumentale Werk mit nur zwei Sängern zur Aufführung zu bringen. Zusammen verfügen Terry Wey und Ulfried Staber über einen Stimmumfang von dreieinhalb Oktaven: jeder Sänger übernimmt jeweils zwei der fünf Stimmen jedes Chores, die mittlere Stimme teilen die beiden untereinander auf. Das Resultat ist frappierend: eine weitestgehende stimmliche Homogenität, die bei chorischen Aufführungen schlicht nicht realisierbar ist.

Gleichwohl stand ein anderer Gedanke bei der Konzeption dieses einzigartigen Projekts im Vordergrund: Die 40stimmige Motette Spem in alium soll in einer mehrstündigen Aufführung nicht vertikal, sondern horizontal gehört werden können, womit die Konzertbesucher gleichsam Zeugen des „Kompositionsprozesses“ selbst werden können. Denn wann hat man schon einmal Gelegenheit, ein Werk – und noch dazu ein solch ebenso komplexes wie wunderbar überwältigendes – in all seinen Einzelteilen Stimme für Stimme zu verfolgen, so als würde der Komponist in diesem Moment die Partitur notieren?

Die vierzig Stimmen werden von den beiden Musikern einzeln nacheinander gesungen und vom in der Kirche platzierten Klangregisseur mitgeschnitten und für jeden weiteren Durchgang live zugespielt . Aus den 16 um das Publikum platzierten Lautsprechern – zwei für jeden der 8 Chöre – ergießt sich schließlich eine Stimme nach der anderen in den Raum. Wie ein gigantisches Renaissance-puzzle erschließt sich so die Motette dem Zuhörer Stimme für Stimme, bis mit dem Glockenschlag zu Mitternacht das vollendete vierzigstimmige Werk erklingen soll.

Zwischen dem ersten Ton der ersten Stimme um 16.00 Uhr und der prachtvollen Vierzigstimmigkeit um 24.00 Uhr machen sich Terry Wey und Ulfried Staber jede einzelne Note dieser monumentalen Konstruktion zu eigen.
Die Aufführung von „spem in alium“ mit nur zwei Sängern bildet mit Anbruch eines neuen Tages den glanzvollen Abschluss des vorangegangenen.